Pressestimmen


 

Geistliche Motetten von Brahms

Mainzer Allgemeine Zeitung (12.11.2013)

(fb). Die Motetten von Johannes Brahms in der Kirche St. Bonifaz waren für Publikum und den gemischten Chor Voces Cantantes eine Herausforderung. Unter der Leitung von Alexander J. Süß hat der Chor seit 2003 unterschiedlichste A-Cappella-Werke aus 500 Jahren gemeistert. Unter dem Dach der Mainzer Singakademie gehört der 30-köpfige Chor zu den herausragenden Mainzer Chören. Die junge Cellistin Dagnar Kochendörfer erweiterte das Konzert mit mystischen Klanglandschaften der Neutöner Volker David Kirchner und Peteris Vasks.

 

Eindringlich und feierlich
Die Eröffnung der Voces mit den vierstimmigen Frauenchören „O bone Jesu“ und „Adoramus te Christe“ geriet eindringlich und feierlich zugleich. Bei den drei Motetten op. 110 für vierstimmigen Männer- und achtstimmigen Frauenchor kamen unterschiedliche Stimmungen, Tempi und Singweisen zum Ausdruck. Schlicht und getragen erschien die erste Motette mit Betonung auf Wehe und Elend. Die tiefe Betrübnis über die Falschheit der Welt prägte die zweite Motette in ruhiger ernster Melodieführung.

Passend dazu gerieten die Auszüge aus den zwei Motetten für fünfstimmigen Chor (opus 29), bevor mit Dagmar Koppendörfers Cello-Interpretation von „Und Salomo sprach“ des Mainzer Komponisten Volker David Kirchner aus dem Jahr 1987 geheimnisvoll dunkle Töne angeschlagen wurden. Neben einem gleichförmig von der Griffhand gezupften Bordun verblüffte das in tiefsten Tiefen mäandernde Werk mit schnarrenden Saiten, Glissandi und geheimnisvollen Obertönen.

Bei Peteris Vasks „Pianissimo“ treibt die Cellistin ihre entrückte Klangmalerei mit arabesken Mikrotonfolgen in sphärische Gefilde, aus der sich schließlich ihre wundervolle Sopranstimme herausschält.

 


 

Virtuose Streicherinnen - "La Finesse"

(14. November 2016) Eigentlich sollte man meinen, dass ein Streichquartett ein Klassik-Konzert darbietet. Nicht so „La Finesse“. Die vier Musikerinnen boten die ganze musikalische Bandbreite - von klassisch bis rockig. Und das mit viel Spaß, Begeisterung und auf hohem Niveau.

Ihre Bühnenpräsenz ist phänomenal. Sie sind ein Ohren- und Augenschmaus und entführen in „ihr Amerika“. So heißt dann auch das Programm der Damen „…in Amerika“ und umfasst Stücke von Komponisten, die in Amerika lebten oder etwas mit diesem Land zu tun hatten. So Anton Dvořák, der als erfolgloser Bratschist startete und als Komponist großen Erfolg hatte - ab 1892 war er Professor in New York. Aus seinem “Amerikanischen Quartett” präsentierte La Finesse das „Finale“. Edvard Griegs "Prelude From The Holberg Suite" beeindruckte ebenso wie George Gershwins „Summertime“ – ein Stück, das in so einem Programm natürlich nicht fehlen durfte.

Auch um Leornard Bernstein und sein bekanntes Musical „West Side Story“ kamen sie natürlich nicht drum herum. Bei „I Want To Be In America“ zeigten sie die gemeinsame Komponente zum Bayerischen Zwiefachen auf. Der Zwiefache besteht aus einer Melodie mit Taktwechsel innerhalb der Phrase. Und ebenfalls aus dem Bernstein Musical das „Maria“ - sehr melancholisch und ergreifend. Monika Beck (Bratsche), Maria Voigt (1. Geige), Daniela Reimertz (2. Geige) und Dagmar Kochendörfer (Cello) fügten auf besondere Art und Weise klassische Musik mit dem Musikgeschmack unserer Zeit zusammen. Die vier Virtuosinnen verstehen es, die Geschichte großer Meister auf ihren Instrumenten neu zu erzählen. Alle musikalischen Interpretationen mit Elementen aus Rock, House, Electro wurden eigens von und für La Finesse arrangiert – und dadurch entsteht ein unverwechselbarer Sound. Seit 2008 gibt das Quartett facettenreich und modern dem kulturellen Erbe großer Komponisten wie Brahms, Rossini, Bach, Mozart und Beethoven einen neuen Kontext.

Im Burghaus Bielstein nahmen sie das Publikum nicht nur mit in den Wilden Westen - mit Stücken wie “Spiel mir das Lied vom Tod“ und „High Noon“ auf der Bonanza-Ranch der Familie Cartwright. Auf den Spuren von Leroy Andersons zauberhaften Filmmelodien wie „The Typewriter“ nahmen sie noch Hilfe der Gäste dazu – die Hotelglocke betätigte ein Freiwilliger aus dem Publikum. Und beim „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini fungierte das gesamte Publikum als Percussion-Einheit mit Rhythmus im Offbeat-Takt. In ihr Medley „Music On The Cat Walk“ packten sie ganz viel Klassik rein mit Unterstützung eines Band-Playbacks. Auch damit packten sie das Publikum, das nach dem Konzert ganz begeistert und berauscht nach Hause ging.
Vera Marzinski

 

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RNZvon Samstag, 07.Januar 2016

Sie machen Ohrwürmer zu Perlen der klassischen Musik
Gut besuchte Neujahrsmatinee des Kulturkreises mit den „Philharmonic Stars“ im „Hirsch“-Saal – Eigenwillig und überraschend


Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Der Saal des „Goldenen Hirsch“ ist gesteckt voll, und die Vormittagssonne schickt ein paar Strahlen durch die Sprossenfenster. Drinnen geht gerade das Konzert zur Neujahrsmatinee des Kulturkreises (KKS) in die letzte Runde. Die „Philharmonic Stars“ spielen am gestrigen Dreikönigstag ihr launiges Programm „Von Mozart bis James Bond“, und das letzte Stück, von Leiterin Mahasti Kamdar angekündigt als „die Krönung für heute“, nimmt den Titel durchaus wörtlich.

Die ersten schwungvollen Takte der „Kleinen Nachtmusik“ erklingen, man lehnt sich genüsslich im Sitz zurück. Doch auf einmal wird es unvertraut, aus den Akkorden schält sich das „Bond“-Thema heraus,und im Handumdrehen steckt man mitten im 007-Vorspann. Das Arrangement aus der Feder Kamdars überrascht, steckt voller sprunghafter Wendungen und musikalischer Gags: Immer wieder legen sich Kamdar und Martha Danilkovich (Violinen) und Iryna Schenk (Bratsche) voll ins Zeug, unterstützt von Martin Achtelik an der E-Gitarre, dann legt Cellistin Dagmar Kochendörfer wieder das Agenten-Thema vor, und die übrigen folgen. Zwischendurch meint man, noch andere Bond-Melodien herauszuhören, dann wieder den ersten Satz von Mozarts 40. Sinfonie: Es ist ein sehr unernstes, aber höchst leidenschaftlich gespieltes Medley, und unwillkürlich muss man an den Bond-Streifen „The Living Daylights“ und das Gewehr im Cellokasten denken. Im Publikum wird gegrinst und gekichert, und der lang anhaltende Applaus geht irgendwann über in das rhythmische Klatschen, mitdemdie Zuschauer um einen Nachschlag bitten: Der wird gewährt und kommt als tanzbare Version von Beethovens „Für Elise“, zu der ein Tango bestimmt gut ausgesehen hätte.

In diesem zweiten Konzertteil gibt es noch mehr solchen Stoff: Ragtime, Boogie und Mambo, außerdem die „Liebesgrüße aus Moskau“, die in Kamdars Arrangement so elegant klingen wie eine Salonmusik. Immer wieder macht das Quartett, das, wie KKS-Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer eingangs betont, zu den bekanntesten in Deutschland gehört, aus oft gehörten Ohrwürmern Perlen der klassischen Musik: Wehmütig und charmant ist ihre Version der Beatles-Hits „Lady Madonna“ und „When I’m 64“, während sich der ABBAPartyhit „Money, Money, Money“ klanglich irgendwo zwischen Dixie-Combo und Zigeunerkapelle einpendelt.

Doch auch bei den „eigentlichen“ Klassikern haben die „Philharmonic Stars“ ihren ganz eigenen Sound entwickelt: Der ist klar in den Soli, voll und trotzdem leicht im Zusammenklang, etwa bei „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ oder in der langsam gespielten, dunkel eingefärbten Mozart-Arie von Cherubino aus der „Hochzeit des Figaro“.

Musiktheoretische Exkurse gibt es in den Anmoderationen der einzelnen Programmpunkte nicht. „Das kann man ja alles im Internet nachlesen“, sagt Kamdar lässig und zieht es vor, statt dessen Musikerwitze zu reißen, und so kann man sich gut gelaunt immer auf das nächste Stück freuen. Etwa die „Pavane“ von Gabriel Fauré mit ihrer gezupften Begleitung oder der feine „Chanson du Roi“ von Charles Gounod.

Ein besonderes Juwel halten Kamdar und Achtelik noch gegen Ende hin bereit: Da wird es ganz still im Publikum, als die beiden ansetzen zu einer Instrumental- Fassung des Latin-Standards „Besame Mucho“: Während der Gitarrenlehrer die Saiten seines Instruments nur ganz behutsam zupft, übernimmt die Violine den Gesangspart mit unglaublich weichen Läufen und Melodien, sehr geschmeidig und virtuos. Am Ende lassen sich die Künstlerinnen noch zu einer weiteren Zugabe überreden, und auch ihr „Boogie For Strings“ begeistert: Er kommt lustig und glänzend aufgelegt daher wie auch der Rest dieses gelungenen Jahresauftakts.

 


 

Auszug aus der Kritik des “Wiesbadener Tagblatts” vom 9.10.12 zum Lehrerkonzert der Musikschule Idstein am 7.10.12:

Ensemble „Hansoricelli“ – das sind Tobias Fischer, Tobias Galler, Giyeon Hong-Nellen und Dagmar Kochendörfer. Sie präsentierten mit vier Violoncelli die berühmte „Air“ von Johann Sebastian Bach in neuem klanglichen Gewand und raumfüllender Entfaltung. Schier unglaubliche Virtuosität in allen Stimmen mit David Poppers Bravourstück „Polonaise brillante“ erstaunte das Publikum. Stilsicher und erfrischend folgten Scott Joplins Ragtimes „The Entertainer“ und „The easy Winners“.